Was sind Sternenkinder?

Als Sternenkinder bezeichnet man Kinder die vor, während, oder kurz nach der Geburt gestorben sind. Aber auch ältere Kinder, werden oft liebevoll von ihren Eltern so genannt. Selten benutzt man auch die Worte Schmetterlings- oder Engelskinder. Nicht zu vergessen sind auch die Kinder, die durch einen Schwangerschaftsabbruch oder plötzlichen Kindstod ihren Weg nicht zu Ende gehen konnten.

 


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22.07.2014

 

Statement: Nach Möglichkeit nie wieder eine Ausschabung

Pro: ? (Genetische Untersuchung)

Contra: Ich fühlte mich meiner Kinder beraubt, kein Abschiedsprozess

 

Erfahrungsbericht:

In der 11 Schwangerschaftswoche habe ich bei einer Routineuntersuchung erfahren, dass meine Kinder nicht mehr leben. Mir ist der Boden unter den Füßen weg gezogen worden. Niemals hätte damit gerechnet, dass mir so etwas passieren würde. Es war grausam, meine leblosen Kinder auf dem Ultraschall zu sehen. Ich meinte zu meiner Ärztin "Ich sehe keinen Herzschlag mehr". Sie blieb erst einmal wortlos und schallte und schallte. Eine Ewigkeit für mich. Zur Sicherheit noch ein Doppler aber es blieb stumm. Ich wusste dass meine Kinder nicht mehr lebten aber hoffte, ich würde etwas anderes gesagt bekommen. Meine Ärztin schaute mich mit betroffenem Blick an. Tränen stiegen in mir hoch. Ich hatte das Gefühl kaum noch atmen zu können. Ich fühlte mich als wenn ich neben mir stehen würde. Dann kamen diese Worte meiner Ärztin: "Es tut mir leid". Mehr brauchte Sie nicht sagen und ich brach in Tränen aus. Missed Abortion... 

Es folgte ein Aufklärungsgespräch über weitere Schritte. Über die Möglichkeit einer kleinen Geburt sowie der Ausschabung wurde ich informiert. Sollte mir aber für die Entscheidung einige Tage  Zeit nehmen. Wie ich nach Hause gekommen bin weiß ich nicht. Ich war betäubt, wie in Trance, gedanklich abwesend und konnte nicht aufhören zu weinen. Doch schon am nächsten Tag begannen die Blutungen. Manche müssen wochenlang warten. Bei mir ging es direkt los. Da ich Rhesus negativ bin und die Anti-D-Prophylaxe bei Blutungsbeginn bekommen musste, fuhr ich ins Krankenhaus. Dort wurde nochmal per US nachgeschaut. Ich hoffte sehr auf eine Fehldiagnose meiner Ärztin. Aber innerlich wusste ich, dass die Ärztin im Krankenhaus es bestätigen würde. Ich habe doch selbst gesehen, dass kein Herzchen mehr schlug. Doch ich klammerte mich an das letzte bisschen Hoffnung. Wieder kein Herzschlag, ein betroffener Gesichtsausdruck der Ärztin und die Worte: "Es tut mir leid". In diesem Moment habe ich endgültig begriffen, dass meine Kinder nicht mehr lebten. Es folgte ein Aufklärungsgespräch und mir wurde die Ausschabung ans Herz gelegt. Eine kleine Geburt sei zu gefährlich, man könnte die Kinder nicht untersuchen und so weiter. Ich fühlte mich kraftlos, unfähig jetzt eine Entscheidung treffen zu können, überhaupt einen klaren Gedanken treffen zu können. Hatte doch gestern überhaupt erst erfahren, dass meine Kinder nicht mehr lebten.

Da ich den ganzen Tag noch nichts gegessen und nur ein halbes Glas Wasser getrunken hatte behielten sie mich direkt im Krankenhaus und die OP war für 2 Stunden später angesetzt. Die Ärzte und Schwestern waren alle sehr einfühlsam und verständnisvoll. Sie wählten genau die richtigen Worte. Auch wenn sie mir damit nicht den Schmerz nehmen konnten. Es kam der Anästhesist und anschließend kam ich auf Station. In meinem Zimmer angekommen erhielt ich ein kleines Kästchen und Kreide. Diese werden mit einem kleinen Teil der Schwangerschaft befüllt und dürfen nach eigenen Wünschen und Vorstellungen gestaltet werden. Mein Mann wollte dies anfangs nicht und auch ich wusste nicht, ob ich das möchte. Aber wir begannen zu malen und zu schreiben. Danach sagte ich zu meinem Mann, dass ich das Gefühl habe die falsche Entscheidung getroffen zu haben mit der AS. Kurz darauf wurde ich aber schon abgeholt.

Es war so grausam in diesem sterilen, kalten OP. Die Ärztin hielt aber meine Hand ganz fest, bis ich "eingeschlafen" war. Meine letzten Gedanken galt meinen zwei Würmchen. Denn so nah würde ich ihnen nach der OP nicht mehr sein. Und ich wollte Ihnen noch einmal meine ganze Liebe schenken. In diesem Moment empfand ich das erste Mal so etwas wie Frieden. Wahrscheinlich auch, weil ich durch die einsetzende Narkose endlich einmal Entspannung empfand. Dennoch bin ich weinend in die Narkose gefallen und weinend wieder aufgewacht.

Auch auf Station angekommen brach ich weiter in Tränen aus. Nach 15 Minuten war ich einigermaßen bei mir, öffnete meine Augen und schaute gedankenlos aus dem Fenster. Es klingt total verrückt, aber der ganze Himmel war dunkel und nur 1 Stern leuchtete ganz hell am Himmel. Da wusste ich, dass meine Beiden angekommen waren. Es war ein kurzer Moment, indem ich starke Dankbarkeit empfunden habe und lächelte. Doch danach fühlte ich mich einfach nur leer!!! Ich fühlte mich meiner Kinder beraubt. Das bewusste Erleben des Ende der Schwangerschaft fehlte mir. Der Abschied meiner Kinder fehlte mir noch mehr. Dieser ganze Prozess war nicht da... 

Das bemalte "Kästchen" beerdigten mein Mann und ich unter einem Kirschbaum. Dazu legte ich einen Brief an meine Kinder. Im Nachhinein sind wir froh, dass wir wenigstens diesen Weg des Abschied nehmen konnten.
Die übrigen Erinnerungen (Schwangerschaftstest, Mutterpass, Ultraschallbilder,...) habe ich in eine Erinnerungskiste getan. Hin und wieder nehme ich sie mir und schaue mir die Dinge an. Ich will meine Kinder einfach nur zurück.
Der Schmerz wurde lange Zeit nicht leichter. Es war auch unvorstellbar, dass dies jemals so sein würde. Essen, trinken und schlafen waren schwer bis unmöglich. lange hatte ich Schuldgefühle, obwohl ich wusste, dass ich alles Gute für meine Kinder getan habe. mein Kopf wusste das. Mein Herz konnte dies aber nicht zu lassen. Und das Wissen, dass meine Kinder aus ihrem "Zuhause" raus gekratzt wurden, lähmte mich. Auch mit Abstand zu diesem Erlebnis mittlerweile weiß ich, dass ich nie mehr eine Ausschabung mache würde. Ich hatte wirklich die falsche Entscheidung getroffen. Ich für mich hätte besser Abschied nehmen können, wenn ich die Zwei in einer kleinen Geburt hätte gehen lassen. Ich hätte die Schmerzen und diesen "Vorgang" gebraucht. Ich hatte auch von Anfang an zur kleinen Geburt tendiert. Aber ich kann ich es nicht mehr ändern... Ich kann der Ausschabung nicht wirklich etwas positives abgewinnen. Auch das ich alles "schnell hinter mir hatte" werte ich nicht als positiv. Ich hätte gerne Zeit zum begreifen und Aschied nehmen gehabt. Auch die pathologische Untersuchg war unauffällig (wie allgemein fast alle).

Der Schmerz ist mittlerweile nur noch wie ein Nebel. Alle Gefühle sind sanfter geworden. Aber ich vermisse sie. Das werde ich immer tun. Es fehlt einfach so ein rießen großes Stück in meinem Leben :-(

 

Verfasser: Glimmer of hope